Mein Staunen über das Gehirn
Unser Gehirn ist ein Wunderwerk – und ich war schon immer fasziniert davon, wozu es fähig ist. Seit Jahren frage ich mich: Wie kommt es, dass wir manchmal so ruhig und klar reagieren und ein anderes Mal wie im Affekt, als würde etwas Urzeitliches in uns das Steuer übernehmen? Diese Frage hat mich zum Mentaltraining geführt.
Der Neandertaler am Steuer
Stell dir vor, in deinem Kopf sitzen zwei „Fahrer“. Der eine ist der Neandertaler in uns: Er wohnt bildlich gesprochen im älteren Teil unseres Gehirns, im Stammhirn. Er denkt nicht lange nach, er will vor allem überleben: kämpfen, fliehen, erstarren. Er reagiert auf Gefahr, Stress und Bedrohung – egal, ob es ein wütender Chef, ein voller Terminkalender oder eine kritische Bemerkung ist. Dieser innere Neandertaler ist schnell, laut und impulsiv.

Der Cortex als kluger Gegenpart
Zum Glück ist er nicht alleine. Wir haben noch einen zweiten Fahrer: unseren Cortex. Dieser Bereich des Gehirns ermöglicht uns, nachzudenken, zu planen, abzuwägen, zu erinnern, zu träumen. Hier entstehen Reflexion, Werte, Kreativität und die Fähigkeit, innezuhalten, bevor wir handeln. Der Cortex ist langsamer als der Neandertaler, aber er sieht weiter. Er kann fragen: „Ist das wirklich gefährlich? Passt meine Reaktion zu dem Menschen, der ich sein möchte?“
Zwischen diesen beiden Kräften – Instinkt und bewusster Entscheidung – bewegen wir uns jeden Tag. Wenn der innere Neandertaler das Steuer übernimmt, handeln wir oft so, wie wir es später bereuen: wir fahren andere an, ziehen uns zurück, schlafen schlecht, denken im Kreis. Wenn der Cortex präsent ist, können wir mit Abstand auf Situationen schauen, klarer kommunizieren und Entscheidungen treffen, die unseren Werten entsprechen.
Unser Gehirn ist formbar
Die gute Nachricht: Wir sind dieser inneren Dynamik nicht ausgeliefert. Unser Gehirn ist formbar. Was wir denken, fühlen und immer wieder tun, hinterlässt Spuren – es entstehen Bahnen, die leichter und schneller aktiviert werden. Je öfter wir bestimmte Gedanken denken, desto vertrauter und „natürlicher“ werden sie. Je öfter wir anders reagieren als gewohnt, desto eher wird dieses neue Muster zur Option, die uns spontan zur Verfügung steht.
Oder kurz gesagt: Was wir denken, das prägt, wer wir sind und wie wir handeln. Unser Denken ist kein starres Schicksal, sondern ein Feld, das wir bearbeiten können – Schritt für Schritt, durch mentales Training. Wir können lernen, den inneren Neandertaler wahrzunehmen, ohne ihm automatisch das Steuer zu überlassen. Wir können den Cortex stärken, indem wir Bewusstsein schaffen, neue Perspektiven einüben und dem, was uns wichtig ist, im Denken mehr Raum geben.
Einladung zur Reise
In dieser Blogserie möchte ich dich genau auf diese Reise mitnehmen. Ich zeige dir, wie du dein Gehirn besser verstehst, wie du deine Gedanken und Reaktionen beobachtest, und wie du mit einfachen mentalen Übungen beginnen kannst, neue Wege im Denken anzulegen. Damit du in hektischen Momenten nicht nur aus dem Bauch heraus reagieren musst, sondern aus einer inneren Klarheit und Stärke – so, dass dein Leben Schritt für Schritt mehr zu dem passt, was dir wirklich wichtig ist.
Wenn du spürst, dass dein Kopf manchmal gegen dich arbeitet, du dich im Gedankenkarussell wiederfindest oder dir wünschst, gelassener und fokussierter zu sein, dann bist du hier genau richtig. Lass uns gemeinsam entdecken, welche erstaunlichen Möglichkeiten in deinem Gehirn stecken – und wie du sie bewusst nutzen kannst.
