Wenn ein Name zum Raum wird

Der Projektraum wirkt nüchtern: Glaswand, Whiteboard, ein Tisch. Nur die Stimmung erinnert an den Vorabend im Garten.

Ben steht am Fenster, Alex und Alena setzen sich. Victor kommt als Letzter, ohne Laptop, nur mit einem Stift und der Unsicherheit von gestern.

„Also gut“, sagt er. „Wir sind hier.“

Alena lehnt sich leicht vor. „Gestern haben wir Rollen aufgeweicht“, sagt sie. „Heute entscheiden wir, ob daraus etwas Gemeinsames wird – mit Namen und nächstem Schritt.“

Der Name kommt in die Welt

Ben setzt sich, verschränkt die Hände. „Was bleibt euch von gestern am stärksten hängen?“, fragt er. „Nicht als Chef, nicht als Berater – als Menschen.“

Victor atmet hörbar aus. „Für mich der Moment, in dem ich gesagt habe, ich wüsste nicht genau, wer ich bin, wenn ich nicht ‚Herr Lenz‘ bin“, sagt er. „Und ihr nicht weggeschaut habt.“

Alex nickt. „Für mich“, sagt er, „war es der Satz: ‚Es ist nicht mehr mein Projekt, sondern unseres.‘ Da war klar: Die Bühne ist grösser geworden.“

Alena fasst zusammen: „Also geht es um diesen Raum dazwischen – zwischen Rolle und Person, oben und unten, alt und neu.“

Sie steht auf, nimmt den Stift und schreibt an die Tafel: „Was entsteht zwischen uns?“

Victor deutet darauf. „Genau da liegt der Schlüssel“, sagt er. „Wir reden immer über Strukturen, aber die wirklich heiklen Dinge passieren im Dazwischen.“

Alex schaut auf das Wort, überlegt kurz und schreibt darunter: Zwischenraum.

Es ist kein grosser Auftritt, eher ein leiser Treffer.

„So fühlt es sich an“, sagt er. „Wir stehen nicht am Anfang und nicht am Ende. Wir stehen dazwischen. Zwischenraum beschreibt genau das – und ist gleichzeitig ein Ort, den wir aufmachen.“

Ben hebt den Kopf. „Klingt etwas altmodisch“, sagt er, „aber es passt zu dem, was ihr tut: Ihr gebt einem unscheinbaren Bereich einen Namen. Und der ist stark genug, um zu bleiben.“

Alena liest laut: „Projekt Zwischenraum“, probiert die Worte. „Mir gefällt, dass es kein Slogan ist. Wir könnten es offiziell so nennen, im Alltag aber nur ‚Zwischenraum‘ sagen.“

Victor testet den Satz: „Wir sehen uns nachher im Zwischenraum.“

Er lächelt kurz. „Das fühlt sich weniger nach Kampagne an, mehr nach etwas, das uns gehört.“

Sie nicken – kein formaler Beschluss, aber eindeutig.

Ben lockt den nächsten Schritt hervor

„Ein Name ohne nächsten Schritt ist Dekoration“, sagt Ben ruhig. „Wenn Zwischenraum mehr sein soll als ein Wort an der Wand: Was tut ihr als Nächstes – konkret, mit Datum und Menschen?“

Victor antwortet schneller als sonst. „Ich will, dass wir nicht wieder alles durch die Geschäftsleitung planen“, sagt er. „Lasst uns klein anfangen, aber echt.“

Alex greift den Faden auf. „Ein erster Zwischenraum-Kreis“, sagt er. „Acht bis zehn Leute, gemischt: Kundenkontakt, Produktion, Support, eine Querschnittsfunktion. Menschen, die Spannungen tragen, ohne dass es in ihren Stellenbeschreibungen steht.“

Er schaut zu Alena. „Wir zwei könnten das moderieren – du hältst den Rahmen, ich achte auf das, was zwischen den Sätzen passiert.“

Alena zögert einen Moment, dann nickt sie. „Das ist stimmig“, sagt sie. „Und Ben kann uns helfen, den Rahmen klar genug zu machen, dass es kein ‚noch ein Workshop‘ wird.“

Ben hebt eine Augenbraue. „Was wäre das eine Versprechen, das ihr den Leuten im Zwischenraum gebt?“, fragt er. „Wenn ihr das nicht wisst, bleibt es Methode.“

Victor denkt kurz nach. „Dass alles, was hier gesagt wird, nicht gegen ihre Rolle verwendet wird“, sagt er schliesslich. „Und dass wir versuchen, aus Spannungen nicht Schuldige zu machen, sondern Fragen.“

Zwischenraum – ab heute

„Gut“, sagt Alena, „dann halte ich fest, was wir gerade entschieden haben.“

Sie schreibt:

  • Name: Projekt Zwischenraum (im Alltag: Zwischenraum)

  • In zwei Wochen: erster Zwischenraum-Kreis (8 - 10 Personen, bereichsübergreifend

  • Einladung & Gestaltung: Alena und Alex

  • Versprechen: geschützter Raum, Spannungen als Hinweise

  • Kernteam Zwischenraum: Victor, Ben, Alena, Alex - erstes Treffen nächste Woche, fixe Serie alle zwei Wochen

Victor nimmt sein Handy. „Ich blocke den Kernteam-Termin jetzt“, sagt er. „Sonst wird er wieder Opfer des Kalenders.“

Alex beobachtet ihn. „Allein das ist neu“, bemerkt er. „Früher hättest du gesagt: ‚Lassen Sie uns einen Termin finden.‘ Jetzt setzt du ihn – für dich wie für uns.“

Ben lehnt sich zurück. „Das ist der Unterschied“, sagt er. „Das hier ist nicht mehr dein alleiniges Projekt, Victor. Aber du bleibst verantwortlich, dass der Zwischenraum nicht beim guten Vorsatz stehen bleibt.“

Als sie den Raum verlassen, steht an der Glaswand nur ein Wort, schlicht eingerahmt: Zwischenraum. Altmodisch im Klang, neu in seiner Bedeutung – und zum ersten Mal etwas, das allen vieren wirklich gehört.

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