„Chemie im Klassenzimmer, Chemie im Change: Alex und Alena brechen Rollenbilder“

Der Meetingraum von NovaHorizont liegt still, nur das leise Summen der Klimaanlage ist zu hören. Ben Aris sitzt ihnen gegenüber und betrachtet die beiden eine Weile. Man sieht sofort, dass sie zusammengehören: gleiche Augenform, ähnliche Mimik, dieselbe Art, den Kopf leicht schräg zu halten, wenn sie nachdenken. Sie sind Zwillinge – nicht identisch, aber so deutlich als Geschwister zu erkennen, dass man im ersten Moment immer beide mitdenkt, wenn einer von ihnen spricht.

In diesem Unternehmen ist das alte Bild noch stark“, beginnt Ben. „Der Mann führt, die Frau spürt. Ihr lebt das anders – und genau deshalb seid ihr für NovaHorizont so wichtig.“ Alena lächelt schmal. „Für uns fühlt sich das gar nicht so besonders an“, sagt sie. „Wir sind damit aufgewachsen.“

Rückblende: Zwei Plätze nebeneinander

Vor ihrem inneren Auge taucht ein Klassenzimmer der Oberstufe auf. Zweite oder dritte Sek. Zwei Schulbänke, dicht nebeneinander. Auf der einen Alex, auf der anderen sie.

„Wir sassen immer nebeneinander“, erzählt Alena. „Nicht, weil wir klammern mussten, sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Alex war schon damals derjenige, der die Stimmung im Raum gespürt hat, bevor jemand ein Wort gesagt hat. Ich habe eher auf die Aufgaben, den Ablauf, die Struktur geschaut.“

Alena sieht eine bestimmte Stunde klar vor sich. „Chemieunterricht. Vorne demonstriert die Lehrerin ein Experiment, alle schauen nach vorn. „Plötzlich wurde Alex neben mir still. Ich habe gemerkt, wie er den Blick von der Tafel löst und kurz nach hinten schaut.“ Dort sitzt ein Mädchen in der letzten Reihe, Kopf gesenkt über dem Heft, Schulbuch aufgeschlagen, aber innerlich längst weg.

„In der dritten Klasse hätte mein Bruder damit nichts anfangen können“, sagt Alena. „Da hätte er sich einfach unruhig gefühlt. In der achten war es anders. Er hat mich angeschaut – dieser typische Zwillings-Blick: kein grosser Plan, eher ein ‚Da stimmt was nicht‘.“

Alena richtet sich etwas auf. „Ich habe mich gemeldet und die Lehrerin gefragt, ob sie mir den Versuch nochmals direkt am Tisch erklären könne – natürlich in der Nähe des hinteren Blocks. Als sie bei uns war, habe ich nebenbei gesagt: ‚Hinten hat, glaube ich, auch jemand noch eine Frage.‘ So stand sie plötzlich direkt neben dem Mädchen, ohne dass es auffällig war.“

In der Pause ist Alex zum Mädchen hinübergegangen. „Er hat sich einfach dazugesetzt“, sagt Alena. „Nicht missionarisch, nicht als Retter. Nur: präsent, zuhörend. Am Ende des Tages haben die beiden über irgendeinen Blödsinn gelacht. Für die Lehrerin war es nur eine kurze Zusatzfrage im Unterricht. Für uns war es wieder dieser Moment: Alex merkt, ich öffne den Rahmen.“

Zwillingsnähe und vertauschte Rollen

Ben nickt. „Und nach aussen wart ihr einfach das auffallend ähnliche Zwillingspaar – Bruder und Schwester, klar als Geschwister erkennbar, mit vielen gemeinsamen Zügen.“

Alex lächelt unsicher. „Viele haben automatisch angenommen, dass Alena die Feinfühlige ist und ich der Durchsetzungsstarke“, sagt er. „Aber in Wahrheit war ich der, der Nächte lang wach lag, weil mich ein schräger Blick aus der Klasse nicht losgelassen hat. Alena war diejenige, die am nächsten Tag zur Lehrerin ging und sagte: ‚Wir müssen da etwas klären.‘“ „Für einige war das irritierend“, ergänzt Alena. „Bruder und Schwester, die sich ähneln – und dann auch noch die Erwartungen an ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ durcheinanderbringen. Für uns hat es einfach Sinn ergeben. Alex merkt, wenn Menschen innerlich aussteigen. Ich halte den Rahmen, damit man darüber reden kann.“

Ben Aris: „Genau das braucht NovaHorizont“

Ben verschränkt die Finger. „Genau dieses Zusammenspiel möchte ich hier bewusst nutzen“, sagt er. „Eure Zwillingsnähe, eure gemeinsame Geschichte, eure vertauschten Rollenbilder – all das ist mehr als eine nette Anekdote. In einer Organisation, in der das alte Muster ‚Mann führt, Frau spürt‘ noch stark ist, seid ihr ein lebendiger Gegenentwurf.“

Er wendet sich an Alex. „Du sollst deine Sensibilität nicht verstecken, sondern sichtbar machen. In Workshops, in Gesprächen, in Runden mit Führungskräften. Du sprichst aus, was du wahrnimmst: Wo jemand sich zurückzieht, wo Spannung entsteht, wo etwas unausgesprochen im Raum liegt.“ Dann zu Alena. „Und du zeigst, dass Struktur, Entscheidung und Führung nicht an ein Geschlecht gebunden sind. Du moderierst, fasst zusammen, setzt Schritte, hältst die Linie – ohne deine Zugewandtheit zu verlieren.“

Alex und Alena sehen sich kurz an. Dieser eine Zwillings-Blick, der seit der Schulzeit alles sagen kann: „Ich merke was.“ – „Ich übernehme den Rahmen.“ In diesem Moment wird klar, dass ihre gemeinsame Geschichte nicht nur Vergangenheit ist, sondern der Schlüssel für das, was jetzt beginnt.

Wie es weitergeht, zeigt das Gespräch zwischen Victor Lenz und Ben Aris: Alte Führungsbilder geraten ins Wanken, als ein Zwillingsduo plötzlich in die erste Reihe des Wandels rückt.

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